„Das Bild ist das Bild ist das Bild.“

Dieser Text erschien zuerst auf missy-magazine.de

tAMtAM trifft Ariadne von Schirach in einem Café in Berlin-Mitte, Zielgruppe: Hippe Erasmus-Studenten. Zu trinken gibt es irgendeine abgefahrene Kaffee-Spezialität (tAMtAM vergisst augenblicklich, was für eine).
Ariadne von Schirach ist Mitte 30, hat Philosophie studiert und 2007 ein skandalnudeliges Buch mit dem Titel „Der Tanz um die Lust“ geschrieben, das die geneigte Literatur-Kritik genüsslich verhackepeterte. Seitdem arbeitet sie für diverse Medien und schreibt an ihrem nächsten Buch, das im kommenden Jahr erscheinen soll – ob da die Damen und Herren vom Feuilleton schon wieder ihre Messer wetzen dürfen?

THEMA: INTENDIERT & INTERPRETIERT

tAMtAM berlin: Mal zu deinem ersten Buch. Liest man die Kritiken, wurde die Ich-Erzählerin offenbar mit der Autorin, also mit dir gleichgesetzt. Du hast viel aus diesen pseudo-biografischen Romanen, in denen Leute ihr Leben offenbaren, zitiert. Besteht da irgendein Zusammenhang?

Ariadne von Schirach: Das Ich war an vielen Stellen sehr persönlich. Aber ich habe mich nie mit diesem Ich identifiziert, weil ich diese persönlichen Geschichten genutzt habe, um etwas Allgemeines zu erzählen. Es sollte ein soziologisches Buch sein, das die Gesellschaft kritisiert.

tAMtAM berlin: Eigentlich hast du in deinem Buch ja eine bestimmte Verhaltensweise kritisiert, wenn ich dich richtig verstanden habe.

Ariadne von Schirach: Ich habe darüber geschrieben, wie die Logik der Pornografie Bilder kreiert, denen wir, befeuert durch die Werbung, zu gleichen versuchen. Dass Sexualität ein Wert an sich geworden ist, ein Statussymbol. Mittlerweile geht es nicht mehr darum, dass man sexy Bilder von sich produziert, sondern man soll praktisch die ganze Zeit fotogen sein, sodass man ständig ein Foto machen könnte von seinem stylischen Leben – und die meisten Leute machen das auch. Es gibt Food Porn, Dress Porn… Das war irgendwie, in bescheidenster Weise, ein intellektuelles Buch. Und dann haben sich die Leute dafür interessiert, was ich für Haare habe. Da dachte ich mir… Kinder, habt ihr sie noch alle?

THEMA: WAHRHEIT ODER FAKE?

tAMtAM berlin: Die Figuren in deinem Buch wirken sehr real, man hat das Gefühl, du plauderst wie bei „Sex and the City“ über deinen Freundeskreis – wie viel war tatsächlich erlebt, wie viel war von dir gemutmaßt, beobachtet – oder erfunden?

Ariadne von Schirach: Alle Geschichten sind mehr oder weniger echt. Sie sind aus unglaublich vielen Jahren von Beobachtungen und Gesprächen zusammengezogen. Mit aller künstlerischen Freiheit. Du nimmst den Kern von etwas und gibst ihm ein neues Gewand. Das heißt nicht, dass du etwas erzählst, was es so nicht gibt. Es war eine Art fiktiver Freundeskreis, der angereichert wurde mit echten Geschichten.

THEMA: DIE JOURNAILLE

tAMtAM berlin: Glaubst du, die Reaktion der Medien wäre eine andere gewesen, wenn du ein Mann wärst?

Ariadne von Schirach: Der Erfolg des Buches hatte sicher viel damit zu tun, dass ich eine Frau bin, dass ich so über Sex rede. Die Medien hätten sich wahrscheinlich nicht so für das Buch interessiert, wenn es von einem Mann geschrieben worden wäre.
Männer werden immer noch mehr nach dem beurteilt, was sie sagen. Ich wurde danach beurteilt, wie ich aussah.
Wobei ich echt ziemlich krasse Pressefotos hatte, das muss man auch mal sagen. Ich war 27 und ein bisschen naiv, ich habe das falsch eingeschätzt. Es sollte ein ironischer Dreh sein, mit diesen Fotos die pornografische Ästhetik zu bedienen, obwohl ich genau die ja eigentlich kritisiert habe. Ich verstehe, wenn man bei jemandem, der auf den Pressefotos aussieht wie Barbie beim Betriebsausflug, auf falsche Gedanken kommt. Das war wirklich meine Schuld. Ich dachte, man kann damit spielen, aber in den Medien zählt immer das Konkrete. Das Bild ist das Bild ist das Bild.

tAMtAM berlin: Im Prinzip ist also mit dir das passiert, was du in „Der Tanz um die Lust“ kritisiert hast.

Ariadne von Schirach: Ja, ich wurde auch pornografisiert. Mich hat die Bild-Zeitung als „Pornosophin“ bezeichnet.

tAMtAM berlin: Dein Anliegen ist auch in deinem neuen Buch, derartige Zustände und Denkweisen zu kritisieren. Musst du dir dafür eine andere Form suchen?

Ariadne von Schirach: Die Form ist für mich, zurückhaltender zu sein. Die Redaktionen wollen einen ja auch immer auf eine bestimmte Weise abbilden. Indem sie einen als Model präsentieren zum Beispiel und nicht als Autorin.

tAMtAM berlin: Aber kannst du wirklich aus diesem Spiel aussteigen, gehst du auf diese Weise nicht in das andere Extrem?

Ariadne von Schirach: Es ist ein Problem, dass heutzutage die Bücher mit der Persönlichkeit des Autors verkauft werden. Die Autoren sind mehr und mehr in der Pflicht, mit ihrem Gesicht für ihre Bücher zu werfen. Ich kann das kritisieren, aber dagegen tun kann ich nichts. Außer eben mit bestimmten Leuten nicht zu sprechen, beispielsweise mit Boulevard-Journalisten. Aber natürlich bin ich auch auf PR angewiesen, denn wenn man ein Buch herausbringt, möchte man ja auch, dass es bekannt wird.

tAMtAM berlin: Welche Rolle spielt das Internet bei all dem?

Ariadne von Schirach: Klar, durch Blogs liegt die Deutung der Wirklichkeit nicht mehr allein in den Händen der großen Konzerne. Das gibt ein Gegengewicht. Es gibt diese zwei großen Bewegungen: Digitalisierung und Globalisierung. Und in diesem Kräftefeld haben wir das Problem, dass im Kultur- und Medienbereich die Arbeit verschwindet, weil sehr viele Dinge überhaupt nicht mehr als Arbeit anzurechnen sind. Gleichzeitig müssen alle viel mehr arbeiten, denn man ist ständig in diesem stillen Prozess des Optimierens, Suchens, Organisierens. Der tägliche Produzent seines eigenen Lebens zu sein – das ist saumäßig anstrengend. Das Leben wird immer abhängiger von diesen ganzen Anforderungen, Arbeit und Freizeit vermischen sich. Klassische Jobs fallen weg, Medienberufe werden diffus. Wie verdient man Geld im Internet? Damit geht diese Angst einher, dass man keinen Platz mehr in der Welt findet. Als könntest du nicht mehr einfach so da sein. Als sei es nicht mehr selbstverständlich, dass du einen Wert besitzt und geliebt wirst, auch wenn du schwach bist, auch wenn du blöd bist, auch wenn du gerade versagst. Die Gesellschaft suggeriert dir das Gegenteil: Man muss sehr viel leisten, bis man überhaupt erst einmal einen Wert besitzt.

tAMtAM berlin: Aber wer richtet denn darüber, ob man „dazugehört“? Tun wir das selbst, tun es andere?

Ariadne von Schirach: Die Menschen versuchen, sich in wunderbare Produkte für den Arbeitsmarkt zu verwandeln, weil dieser alle zueinander in Konkurrenz setzt.

tAMtAM berlin: Sind wir da nicht selbst dran schuld?

Ariadne von Schirach: Klar! Das ist eine Verschwörung, die nur Akteure, aber keine Anstifter kennt. Wir überwachen uns selbst und jeder, der sich verhält, als sei er ständig aus einem Magazin gefallen, ist der, der die imaginäre Kamera hält.

tAMtAM berlin: Aber was für Möglichkeiten haben wir überhaupt noch, um aus diesem Kreislauf herauszukommen?

Ariadne von Schirach: Ich glaube, man sollte zuerst einmal sein Leben für Beziehungen öffnen, die aus Liebe entstehen und nicht aus Nützlichkeit. Einen anderen Menschen zu lieben, ohne dass man ihn zu etwas braucht – es wäre ein Anfang, das zu lernen.
Aber ich habe keine Ahnung, wie man das beruflich löst. Vielleicht, indem man sich erst einmal über die eigenen Wünsche klar wird. Also eine Wendung nach innen. Es gibt viele Menschen, die keine Lust mehr haben, einander wie Objekte und verwertbares Material zu behandeln. Man muss damit einfach anfangen. Das ist etwas, was ansteckend sein soll!

THEMA: DAS WETTER

tAMtAM berlin: Eine kurze Frage zum Schluss: Wenn man deinen Namen googelt, stößt man auch auf das hier.

Ariadne von Schirach: Das ist das Wetter-Gedicht.

tAMtAM berlin: Alles klar. Was ist das und wo kommt das her? Machst du das wirklich jeden Tag?

Ariadne von Schirach: Ähm. Ja. (lacht) Diese Gedichte sind wirklich von solider Mittelmäßigkeit. Manchmal auch ganz schlecht, ab und zu gibts einen Ausreißer nach oben – aber nicht allzu oft.
Vor zwei Jahren habe ich mal bei irgendeinem dieser Empfänge mit einem Journalisten über Kunst auf Twitter gesprochen. Und dann bin ich nach Hause gegangen und dachte – ich mach das. Ich mach jetzt das Twitter-Gedicht.

tAMtAM berlin: Würdest du exklusiv über das Wetter jetzt gerade (am 13. September, Anm. v. tAMtAM) schreiben?

Ariadne von Schirach: …

Die Wolken ballen sich bedrohlich / verdecken bald das Himmelsblau /
Später könnte Regen fallen / Denn der Wind wird langsam rau

Ein Gedanke zu “„Das Bild ist das Bild ist das Bild.“

  1. Was für ein verschwurbelter, unzusammenhängender Mist. Kann Frau Schriach auch etwas anderes, als Wetterberichte zu tweetern und Bücher gegen Sex zu schreiben?
    Man gewinnt fast den Eindruck, Sie wäre gelangweilt oder frustriert in ihrem eigenen Leben. Dann sollte sie die anderen jedenfalls nicht belehren und runterziehen!