Dido & Aeneas (KiezOper @ Wilde Renate)

Klingt wie Weihnachten, ist aber ein richtig barocker Schinken: Henry Purcells DIDO & AENEAS. Diese Oper eignet sich nicht nur deshalb so gut für extra-klassische Verwurstung, weil ihre Chöre so feierlich Glühwein und Zimt atmen. Offenbar ist auch ihre Länge von nur einer Stunde ausschlaggebend dafür, dass sie nach Sasha Waltz (Staatsoper, 2005) nun von den Machern der KiezOper durch den Wolf gedreht wurde.
Und die brauchen dafür nicht mal ein beplüschsesseltes Opernhaus, sondern nur den Garten der Wilden Renate zu einer (für beide Seiten) so unorthodoxen Zeit wie 22 Uhr an einem Samstagabend (dem 21. Juli).

tAMtAM ist hingeschlappt, hat geguckt, gehört, getrunken und geknipst. Bittesehr!

Mitternachtssonne in Berlin? Foto © tAMtAM berlin.

Menschen schlängeln sich vor der Wilden Renate wie sonst erst nach 24 Uhr: Es ist Samstagabend, kurz nach acht, und alles wirkt merkwürdig verdreht. In der Sonne stehen neben allerlei hippen Sonnenbrillenträgern mehrere ältere Ehepaare mit Weißbier und Jackett. Wahrscheinlich frisch aus der Philharmonie hierher gebeamt. Ein paar Hängengebliebene vom Vorabend schleichen um den Holzzaun, irgendwo dahinter trällert eine Sängerin. tAMtAM wartet (eine halbe Ewigkeit), bis sich endlich das Türchen öffnet und die Schlange langsam in den Garten der Renate kriecht. Die Zeit bis zum Beginn wird vertrunken – beschallt von elektronischen Klängen.

Warte(nde) Renate. Foto © tAMtAM berlin.

Wildromantischer Himmel (ohne Regen). Foto © tAMtAM berlin.

Kurz nach zehn schleichen dann plötzlich eine Hand voll Musiker unter ein Zelt auf der „Bühne“, das Geblubber aus der Konserve erstirbt mit einem lauten KRRRTSCHHH und die nachfolgenden ersten Takte von Purcell wirken beinahe so deplatziert wie die Schlange vom Anfang.

Beginnende Musik. Foto © tAMtAM berlin.

Und los gehts: Der Garten ist gerammelt voll, es dunkelt und Menschen in zerrupften Kleidern winden sich durch die gaffende Menge nach vorn. Foto © tAMtAM berlin.

Es geht um Dido (das ist eine Frau) und Aeneas (das ist ein Mann), die sich lieben, aber irgendwie die Kurve nicht kriegen. Wie das eben so ist – berufliche Verpflichtungen, Konkurrenz, individuelle Unentschlossenheit und eine große Portion Trotz. tAMtAM befindet: Schade eigentlich! Aber sonst wäre es wohl nie eine Oper geworden. (Übrigens: Musisches viertelstündliches Hintergrundwissen + belustigende Momente – welch schöne Verknüpfung! – gibt es hier an dieser Stelle.)

Das hier…

… ist Aeneas. Foto © tAMtAM berlin.

Weil die Titelpartien von Sängern des Internationalen Opernstudios der Staatsoper gesungen wurden, klang das Ganze trotz gelegentlicher Mikrofon-Übersteuerung ziemlich gut. Inszeniert hats einer der Sänger – wobei die Proben wohl eher minimalistisch ausfielen, wie ein Mitglied des Ensembles tAMtAM gegenüber erwähnte.

Und die Zuschauer? Saßen rauchend und verhältnismäßig andächtig da und beobachteten:

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Im Anschluss folgte dann der normale Renate-Betrieb: Die Hochkultur schön aus dem Körper feiern. Prost!

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